Begeisterung – Ein Motor, der keinen Sprit braucht!

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Intrinsische Begeisterung birgt immense Potenziale

Echtes Changemanagement setzt echten Change voraus! Einen Wechsel, der jedoch zwangsläufig mit tiefgreifenderen Veränderungen verbunden ist. Die Geschichte hat uns oft genug gelehrt, dass Veränderungen nur dann langfristigen Erfolg haben, wenn sie grundlegend sind (ich vermeide den Begriff „radikal“ bewußt). Strategischer Wandel contra Wäschewechsel! Echtes Changemanagement kennt und nutzt alle Potenziale die sich in einem Unternehmen bieten. Wer dies erkannt hat, wird überrascht sein, wieviel Potenzial bisher brach gelegen war!

Echtes Changemanagement basiert aber auf  Visonen, Willen, Überzeugung und Vertrauen. Zum einen der absolute Wille und die eigene Überzeugung der Unternehmer und Entscheider. Kein Probieren, Versuchen oder „Mal schauen!“. Denn genau dies führt unweigerlich zu Unsicherheit bei denjenigen, die mit an dem gemeinsamen „Change“ wirken sollen. Diese Haltung beinhaltet letztendlich bereits vorweggenommen den Satz: „Ich wusste gleich, dass dies nichts bringt!“.
(Aus exakt diesem Grund laufen die meisten Neujahrsvorsätze ins Leere!)

Zum anderen den echten Willen derjenigen, die den Wechsel letztendlich umsetzen und tragen müssen. Die Mitarbeiter.

In meinen Augen aber nicht nur den Willen, sonder vor allem –  Begeisterung. Das Kernproblem welchem die meisten Changes gegenüberstehen ist Angst. Angst vor dem Wechsel. Die Frage stellt sich, warum es so wenigen Unternehmen gelingt ihre Mitarbeiter für einen Wechsel zu begeistern?

„Begeisterung ist ein Motor, welcher keinen Sprit braucht!“

Statt diesen in Gang zu bringen, wird der Mitarbeiter permanent angeschoben. Oft hat man das Gefühl, die Unternehmensführung ist selbst angenervt von der Tatsache, dass dieser Wechsel nun ansteht. Dieses Gefühl ist sichtbar, und wirkt sich negativ auf die Einstellung der Mitarbeiter aus. Eine Unternehmensführung die nicht begeistern kann, kann keine begeisterten Mitarbeiter erwarten.

Dieses „Anschieben“ erinnert mich an die frühen Automobile wo die Tankuhr noch Ihren freien Lauf hatte, alle 5000km Öl nachgefüllt werden musste und trotzdem nicht mehr als 140km/h möglich war. Ineffizienz war da noch nicht präsent. Durch diese Ausgangssituation wird aber per se die Chance auf effizientes Changemanagement und dessen Erfolg massiv veringert wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Den selbst wenn der Wechsel vollzogen ist, bedeutet dies nicht, dass er langfristig das Ziel erreicht. Vor allem dann nicht, wenn Mitarbeiter ihren inneren Widerstand fortführen.

Wie aber schaffe ich Begeisterung? Die Grundlage für Begeisterung sind 2 Faktoren. Vertrauen und „Look and Feel“. Je nach Situation ist das eine wichtiger als das andere. Im Konsumgüterbereich ist „Look and feel“ wohl das zentralere Element, während im Bereich der Personalführung Vertrauen mindestens den gleichen Wert hat. Denn ohne Vertrauen ist zumindest keine nachhaltige Begeisterung über den Change hinaus zu erreichen.

Vertrauen schaffen ist ein richtiges Problem in unserer Zeit. Ein Problem, welches sich die meisten Unternehmen schon verschaffen bevor sie den ersten Mitarbeiter/ die erste Mitarbeiterin im Unternehmen haben. Ob eine „Vertrauenskultur“ entstehen kann, steht und fällt mit dem Unternehmer und nicht mit den Mitarbeitern. Begeisterung kann nicht unter permanentem, extrinsischen Druck (Kontrolle) entstehen. Vertrauen an sich ist aber schon ein Trigger für Begeisterung bei der Arbeit!

Was bedeutet „Look an feel“? Egal was man über Steve Jobs denkt, aber er hat die Funktion von „Design“ verstanden. Design ist wichtiger als Funktionalität, wenn man Begeisterung hervorrufen will.
Auch HR-Management muss ein Design haben. Gerade weil es nichts „greifbares“ ist, muss es sich dennoch gut anfühlen. Alle Sinne müssen positiv angesprochen werden, auch die sensorischen. „Virtuelle Haptik“ nenne ich dies. Und das Organ, welches angesprochen werden muss, ist der Bauch. Er ist die „Hand“ der Seele. Mit ihm spüren wir Schwingungen, Respekt, Freundlichkeiten genauso wie Misstrauen, Abwertung und Verletzungen.

Wie bei allen Produkten und Dienstleistungen darf jedoch dieses „Design“ auf keinen Fall etwas vortäuschen, was es nicht ist! „Fake-Design“ ist der Tod für jedes Vertrauen! Aber, und dies ist der große Bonus, es darf im Wesen unperfekt sein! Denn genau dies schafft die Verbundenheit! Es gibt einem das erleichterte Gefühl, auch Unperfekt sein zu dürfen. Eigentlich paradox, da ohnehin niemand perfekt ist. Aber ich denke, jeder kennt diesen Zustand!

Begeisterung kommt also aus dem Bauch heraus, nicht aus dem Kopf! Dies muss verstanden werden, damit Neues mit Begeisterung umgesetzt wird!

Michael Wieden

About Michael Wieden

Michael Wieden war von 2012 bis Ende 2016 mit der Wirtschaftsförderung für die Stadt Bad Kissingen beauftragt. Im Rahmen dieses Auftrags hat er im August 2013 das Projekt "ChronoCity - Pilotstadt Chronobiologie" initiiert. Neben dieser Tätigkeit beschäftigt er sich intensiv mit neuen Formen der Arbeit, gesundem Arbeiten und vor allem mit Chronobiologie. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen fließen in seinem 2012 im Springer-Gabler-Verlag erschienenem Buch "Liquid Work - Arbeiten 3.0", sowie in der 2016 erschienenen, erweiterten 2. Auflage "Chronobiologie im Personalmanagement" ein. Desweiteren hält er zu seinem Projekt ChronoCity, zu Chronobiologie im Personalmanagement sowie der Abschaffung der Sommerzeit, späterem Schulbeginn und neuem HR-Management deutschlandweit und auch im Ausland Vorträge.