Der Mensch – Megatrend dieses Jahrhunderts

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Kondratieff-Zyklen
Kondratieff-Zyklen

Dampfmaschine, Eisenbahn, Elektrizität, Automobil, Datenverarbeitung – wer sich schon einmal mit den Kondratief-Zyklen befasst hat, weiß, dass dies die Megatrends der vergangenen Jahrhunderte waren, die uns in das Zeitalter der Industrialisierung hineingebracht und uns darin bisher begleitet haben. Der Begriff „Megatrend“ wird zu gerne medial und marketingtechnisch missbraucht. Alles ist sofort ein Megatrend, was man gerne möglichst schnell unter das Volk bringen will.
Ein echter Megatrend ist jedoch weit mehr. Er verändert Gesellschaften nachhaltig für einen Zeitraum von  mindestens 30-50 Jahren. Nein, auch ein Smartphone ist kein solcher Megatrend, sondern lediglich eine Fortschreibung des aktuellen und letzten Trends, der seit Anfang der 90er Jahre unsere Gesellschaft nachhaltig verändert hat und verändert: Die Datenverarbeitung. Was also ist der nächste echte Megatrend?
Energie und Gesundheit sind in diesem Zusammenhang momentan die wohl am häufigsten von Zukunftsforschern genannten Begriffe. Beides aber wird unwillkürlich wieder ROI-bestimmt seine Ausprägungen finden. Ich persönlich möchte daher noch einen Schritt weitergehen.

Der Mensch selbst wird die Erfindung der kommenden Dekaden sein

Der Mensch als Megatrend? Wir meinen ganz klar JA. Denn nur, wenn er sich wieder (neu er-)findet, wird er in der Lage sein, dem Abschwung wieder ein durchgreifendes und maßgebliches Element entgegenzusetzen, das zu gesellschaftlichem Wohlstand führen wird. Der Menschen als Individuum, mit all seinen Ecken und Kanten. Schärfen statt abschleifen – fällt mir dazu ein. Wohlstand selbst wird dabei definitiv neu gedacht werden müssen, was aber Teil der Entwicklung sein wird.

Alles, was es dem Menschen bisher leichter machen sollte, wurde in der Regel nicht primär zum Wohle des Menschen selbst getan, entwickelt oder produziert. Es hat jedoch dazu geführt, dass alles was möglich war, auch möglich gemacht wurde. Ob es der Mensch gebraucht hat oder nicht, ob es zu seinem Wohle war oder nicht, stand dabei bisher nicht im Vordergrund. Sicher ist – der Mensch als Lebewesen kann langsam mit der technischen Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Multitasking wird gerne als etwas belächelt, was Frauen besser können. In Wahrheit wird es von uns mindestens 14h am Tag permanent abgefordert. Früher ist man Auto gefahren. Heute wird dabei noch telefoniert, im Internet gesurft oder am Navi herumgefingert. Früher hatte man 3 Programme im Fernsehen, heute buchstäblich tausende, zwischen denen man hin- und herzappen kann. Nicht zu vergessen die Errungenschaft, dass wir auch mehrere Programme gleichzeitig sehen können. Früher hat man Zeit bekommen, um Informationen zu sammeln, heute müssen Sie „on the fly“ auf dem Tisch liegen. Nein – ich bin ganz sicher kein „ewig Gestriger“. Im Gegenteil. Fortschritt ist gut, wenn er dem Menschen als Ganzes dient! Und wenn man sich mit der Zukunft auseinandersetzt,bedeutet das nicht, sie zu akzeptieren, sondern sie zu gestalten. Aktuell ist es jedoch so, dass jede Minute, die uns Erfindungen und Technik einsparen, mit Erwartungen für 2 Minuten wieder gefüllt werden.

Eine Kette ist nur so stark, wie das schwächste Glied

Was also nützen technische Innovationen, wenn der Mensch selbst nicht mehr in der Lage sein wird,oder es keinen Sinn macht, diese zu nutzen? Was oder besser wem nützen technische Innovationen, wenn die Geschwindigkeit deren Entwicklung der Entwicklung des Menschen immer schneller vorauseilt und dabei immer mehr Menschen hinter sich lässt? Die Innovation der Zukunft wird oder besser muss der Mensch sein. Denn wenn er sich nicht neu (er-)findet, oder eher wiederfindet, wird er zumindest nicht mehr in der Lage sein, alles zu nutzen, was ihm vorgelegt wird. Echte Individualität muss also lauten, so leben zu dürfen und selbst bestimmen zu dürfen, ob, und wenn ja, wie man mit der zunehmenden Geschwindigkeit und Belastung klarkommen will. Dass pauschale, übergestülpte Therapien und Medikamente am Ende sind, zeigt die Entwicklungen in Bezug auf die Volkskrankheit „seelische Leiden“, die sich trotz Wellnessbewegung, neuen Therapiemöglichkeiten und Medikamenten dramatisch entwickelt.

Eines dieser zentralen Elemente des Selbstbestimmens ist die Chronobiologie – die Wissenschaft von der inneren Uhr! Sie könnte der Schlüssel für mehr Effizienz bei gleichzeitig mehr Lebensqualität sein, ohne medikamentösen Einsatz. Der Grund für diese Behauptung liegt vor allem in dem Fakt berührt, dass Chronobiologie ausnahmslos jeden Menschen,und dies 24h betrifft. Es gibt keine Zielgruppe, es ist kein „Nischenprodukt“ sondern hat Gültigkeit für alle knapp 7 Mrd. Menschen auf diesem Planeten. Und es hat sowohl Gültigkeit in der Gegenwart als auch in der Zukunft. Von diesen Parametern gibt es nicht all zu viele. Und gerade das kann es zu einem wichtigen Schlüssel machen, dem Schlüssel zu mehr Mensch!

About Michael Wieden

Michael Wieden war von 2012 bis Ende 2016 mit der Wirtschaftsförderung für die Stadt Bad Kissingen beauftragt. Im Rahmen dieses Auftrags hat er im August 2013 das Projekt "ChronoCity - Pilotstadt Chronobiologie" initiiert. Neben dieser Tätigkeit beschäftigt er sich intensiv mit neuen Formen der Arbeit, gesundem Arbeiten und vor allem mit Chronobiologie. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen fließen in seinem 2012 im Springer-Gabler-Verlag erschienenem Buch "Liquid Work - Arbeiten 3.0", sowie in der 2016 erschienenen, erweiterten 2. Auflage "Chronobiologie im Personalmanagement" ein. Desweiteren hält er zu seinem Projekt ChronoCity, zu Chronobiologie im Personalmanagement sowie der Abschaffung der Sommerzeit, späterem Schulbeginn und neuem HR-Management deutschlandweit und auch im Ausland Vorträge.