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Neuer Bluttest kann Chronotyp ermitteln

Ermittlung des Chronotyps über neuen Bluttest
By GrahamColm

Mit einem Bluttest den eigenen Chronotyp ermitteln, geht das?

Schon kurz vor der Jahrtausendwende hat der französische Krebsspezialist Francis Lévi festgestellt, dass sich die Krebstherapie um ein vielfaches effizienter und mit weniger Nebenwirkungen verbunden durchführen lässt. Er erreichte dies, indem er die  Therapie mit der inneren Uhr der Patienten abstimmte. In mehreren Studien an fast sechshundert Patienten zeigte sich, dass die Tagesdosis der getesteten Chemotherapeutika durch Chronotherapie um über dreißig Prozent erhöht werden kann und das bei deutlich geringeren Nebenwirkungen.

Bisher gab es jedoch nur zwei Möglichkeiten, den Chronotyp zu ermitteln – Fragebogen oder Selbsteinschätzung. Nun kommt der Bluttest dazu.

 

Verteilung Chronotypen in Deutschland (Quelle: MCTQ)

Chronotyp per Bluttest

Für ihre Studie entnahmen sie zunächst Probanden über den Tag hinweg mehrfach Blut und verfolgten darin die Aktivität von rund 20.000 Genen. Über einen lernfähigen Algorithmus isolierten die Forscher dann, aus diesen 20.000 Genen die eben genannten zwölf Gene. An Ihnen lässt sich der sogenannte DLMO der Testperson ablesen. Der DLMO zeigt den Zeitpunkt an, zu welchem die natürliche Melatoninausschüttung beginnt. Darauf basierend kann man bestimmen, welchem Chronotyp dies entspricht.

Laut dem Forscherteam funktioniert dies auch dann, wenn die Testperson entgegen ihres biologischen Rhythmuses früh morgens durch einen externen Impuls (Wecker, Person etc.)  geweckt wird.

Dies ist ein revolutionärer Schritt, kann man doch nun eine Chronotherapie wesentlich effizienter als durch Selbsteinschätzung oder Fragebogen durchführen. Sämtliche Therapieformen können von einer auf  den jeweiligen Chronotyp basierende optimale Therapiezeit profitieren.

Welchen Effekt kann dieser Bluttest ausserhalb der Medizin haben?

Kann nun diese Bestimmung des Chronotyp über einen Bluttest auch positiven Effekte auf Wirtschaft, Tourismus und Bildung haben? Die Antwort lautet definitiv „JA“. Natürlich ist eine Blutentnahme immer ein Eingriff am Menschen und bedarf seiner Einwilligung. Zudem kostet er Geld. Aber es geht dabei um weit mehr als nur die Bestimmung eines Chronotyps. Dieser Bluttest zeigt, dass Chronobiologie in der Schulmedizin angekommen ist. Ein Chronotyp ist nicht mehr nur ein imaginäres Gebilde oder eine Glaubensfrage, weil es die einen spüren, die anderen nicht.

Nun ist es gar nicht zwangsläufig nötig, dass Unternehmen, Bildungseinrichtungen etc. alle Mitarbeiter und Schüler einem Bluttest unterziehen, um Nutzen aus dem Wissen um die innere Uhr ziehen zu können. Es geht zunächst um Bewußtseinsbildung. Entscheider müssen die Auswirkungen der Einbeziehung individueller Chronotypen in BGM und HRM als Möglichkeit erkennen, aktiven Einfluss auf Fehlzeiten, Fehlerkosten und Fluktuation zu nehmen. Dabei wird die Einbindung der Chronobiologie in das BGM nur eine Frage der Zeit sein. Die AOK Bayern hat z.B. 2018 bereits bayernweit im Rahmen Ihrer Informationsreihe „BGM im Dialog“ Entscheider Ihrer Mitgliedsunternehmen ausführlich über das Thema informieren und hat Michael Wieden hierzu als Experten für die Vorträge eingeladen.

Wie geht man es an?

Das Hauptproblem liegt darin, dass es auf dem Markt kaum Experten gibt, die in der Lage sind, den Zusammenhang zwischen Chronotyp und wirtschaftliche Prozessen zu verstehen. Somit fehlen Möglichkeiten Unternehmen in diesem Bereich zielführend zu beraten. Auf der einen Seite gibt es Chronobiologen, die natürlich ihre Expertise auf dem Gebiet der Chronobiologie haben, auf der anderen Seite Unternehmensberater, Wirtschaftsexperten, HR-Experten etc.. Letztere haben aber zu einem Großteil noch nicht einmal etwas von der Chronobiologie gehört.

Michael Wieden prophezeit jedoch, dass die Chronobiologie in 5-10 Jahren zum Standardrepertoire der großen, innovativen Unternehmensberatungs-Agenturen und Krankenkassen gehören wird.

Ob dann ein Bluttest bzw. der Chronotyp zu den klassischen Bewerbungsunterlagen gehören wird, werden wir sehen. Aber wie gesagt, darum geht es jetzt erst einmal nicht.


Quellen:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22899-2018-07-03.html

https://www.jci.org/articles/view/120874/pdf

Ermittlung des Chronotyps über neuen Bluttest

By GrahamColm [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons